Bei deiner Kuh

Bei deiner Kuh
hast du Fried’ und Ruh.

Die Natur schiebt der Sprache den Riegel vor. Warum also sollte die Kuh die Sprache gegen die Sprache gebrauchen? 

 

Von der Wende zur literarischen Moderne ist die Rede, seit die Sprache für die Literaten an Bedeutung verliert. Insbesondere Schriftsteller der Dekadenz wie Hugo von Hofmannsthal (1874–1929) halten daran fest, dass die Sprache nichts mehr tauge. Für ihn will das heißen, dass sie auf ihre kommunikative Rolle eingeschränkt worden ist. Dass die Sprache „so abgegriffen wie schlechte Münzen [sei]“ (Hugo von Hofmannsthal, GW X 413 [Aufzeichnungen 1896]), will sagen, dass sie, wenigstens in den Augen Hofmannsthals, auf ihren bloßen Verkehrswert herabgesunken ist. Auch vom Tod der Sprache ist bei Hofmannsthal die Rede, fast so, als ob vom Tod Gottes die Rede wäre. Der „Brief“ des Lord Chandos, ein Schlüsseltext der literarischen Moderne, bringt dies überraschend sprachmächtig zum Ausdruck.

Schöner grübeln

Mensch und Tier

Der Elefant verließ an diesem Tage gar nicht mehr das Gehege. Gegen Abend ging er in den Gang, der auf das Becken der Kraniche hinausläuft, und sah auf das Wasser. Aus irgendeinem Grund hatte der Dickhäuter Geschmack am Grübeln gefunden. Den Besuchern gefiel es, ihn dabei anzustarren. Es hatte eine erhebende Wirkung, wie man hörte, wenn der Elefant, den Zusammenhang zwischen Kopf und Rüssel begreifend, seltsame Zeichen in den Sand schrieb. Wenn der Wärter seinen Kopf streichelte, hielt er inne und flüsterte mit dem Elefanten, dass er alles kenne, dass er ihn verstehe.